General Motors und seine zukünftige E-Mobil-Strategie.

Mit dem Chevrolet FNR hat General Motors dieses Jahr auf der Shanghai Auto Show ein Konzeptfahrzeug mitgebracht, das so gar nicht zu General Motors passen will. Und auch wenn der FNR mit großer Sicherheit so nie die Händler-Showrooms erreichen wird, zeigt das Konzept letztlich mit dem darin konzipierten Elektroantrieb, dass E-Mobilität in Detroit nicht einfach nur ein Wort ist. In Sachen Elektromobilität können die Leute der Motorcity durchaus Kompetenzen nachweisen, auch durch Serienfertigungen von etablierten Modellen. Ein Blick auf das, wo General Motors in Sachen Elektromobilität steht.

Lange Jahre war die Elektromobilitätsstrategie von General Motors durch das Desaster rund um das Elektroauto namens EV1, das unter der GM-Marke Saturn von 1996 bis 1999 gebaut wurde. Der EV1 war ein Beispiel dafür, dass ein Auto nur aus politischen Gründen zu völlig wahnwitzigen Kosten produziert wurde. Besonders viel Schlagzeilen machte der EV1, als die Leasing-Verträge der rund 1.000 ausgelieferten Fahrzeuge ausliefen und General Motors darauf bestand, alle Fahrzeuge einzuziehen und zu verschrotten, teilweise sogar unter Polizeischutz. Die mediale Berichterstattung und sogar ein Kinofilm über diese unrühmliche Episode sorgten viele Jahre lang für ein ausgesprochen negatives Image von General Motors in Sachen Elektromobilität, das erst durch die Vorstellung des Voltec-Antriebes und des darauf aufbauenden Chevrolet Volt mühsam wieder korrigiert werden konnte.

Inzwischen ist die Elektromobilität bei General Motors in der Serienfertigung angekommen und Elektroautos aus dem GM-Konzern sind in allen wichtigen Märkten weltweit erhältlich. Ein Überblick.

Chevrolet

Chevrolet ist die Hauptmarke von General Motors auf dem US-amerikanischen Markt und daher auch in Sachen Elektromobilität die Referenzplattform. Unter der Marke Chevrolet wird seit 2010 der Chevrolet Volt vermarktet, der ab dem Modelljahr 2015 seit Oktober 2015 in einer zweiten, überarbeiteten Version gebaut wird.

Der Antrieb des Chevrolet Volt setzt auf einen Elektroantrieb mit einem zusätzlichen Benzinmotor als Reichweitenverlängerer. Diese Kombination unter dem Namen Voltec sorgt dafür, dass die eher magere Elektroantriebsreichweite von 60 bis 80 Kilometern mit dem Benziner auf rund 500 Kilometer erweitert werden kann. Zwar ist der Chevrolet Volt damit ein recht schweres Auto und preislich wahrlich kein Schnäppchen, allerdings sind Reichweiten von unter 200 Kilometern für den US-amerikanischen Markt schlicht inakzeptabel. In den Jahren 2012 und 2013 war der Chevrolet Volt in den USA das verkaufsstärkste Elektrofahrzeug. Im Jahre 2014 musste sich der Volt mit rund 18.800 Verkäufen nur dem Nissan LEAF (2014: 30.200) geschlagen geben. Im aktuellen Jahr 2015 nimmt der Volt den dritten Platz in den US-Verkaufscharts ein mit rund 14.900 Einheiten bis einschließlich Oktober 2015. Der Chevrolet Volt scheint die Kurve zu kriegen.

Mit dem Chevrolet Spark EV verkauft Chevrolet ein zweites Auto in der Kleinstwagenklasse, wobei der Spark EV derzeit nur in den US-Bundesstaaten Kalifornien, Oregon und Maryland verkauft wird. Mit seiner auf 20 Kilowattstunde dimensionierten Batterie und dem 100 kW starken Motor schafft der Spark EV Reichweiten um die 130 Kilometer und richtet sich damit vornehmlich an Autobesitzer in Ballungsräumen. Mit einer Schnellladefunktion und einer vernünftigen Ausstattung auf Basis der herkömmlichen Spark-Modelle kommt das Auto dennoch als vollwertiges Auto daher. Weiter angetrieben wird die Attraktivität des Spark EV durch den verhältnismäßig günstigen Preis von rund 26.000 US-Dollar, die mit einer Steuergutschrift von 7.500 US-Dollar zu einem Kaufpreis von 18.500 US-Dollar schrumpfen.

2014 vertrieb Chevrolet vom Spark EV insgesamt 1.145 Einheiten. Dieses Jahr sind es bis einschließlich Oktober bereits 2.311 Einheiten und damit ist der Spark EV in den USA bei den verkauften Elektromobilen immerhin auf Platz 10.

Geplant ist bei Chevrolet für das Jahr 2017 ein neues Modell namens Chevrolet Bolt, ebenfalls als reines Elektromobil. Vorgestellt wurde der Bolt auf der North American International Auto Show 2015, die Produktionsversion soll im Januar 2016 präsentiert werden. Erreichen soll der Bolt eine Reichweite von bis zu 320 Kilometern.

Cadillac

Mit dem Cadillac ELR gibt es auch in der Premiummarke Cadillac ein Elektroauto, das als Plug-in-Hybrid gestaltet ist und weitgehend auf die Antriebsplattform des Chevrolet Volt aufsetzt. Demzufolge hat der ELR weitgehend die gleichen technischen Parameter – 120 kW Leistung des Elektroantriebes, eine Reichweite von 60 bis 80 Kilometern, die bei Bedarf mit den Reichweitenverlängerer auf Basis eines 1.4-Liter-Benzinmotors erweitert wird. Gebaut wird der ELR ebenfalls im GM-Werk in Detroit-Hamtramck.

In Sachen Absatzzahlen kann der Cadillac ELR nicht ansatzweise mit seinem Schwestermodell Chevrolet Volt mithalten. 2014 wurden insgesamt 1.310 Einheiten abgesetzt, 2015 sind es bis einschließlich Oktober nur noch 822 Einheiten. Die deutlich geringeren Absatzzahlen liegen wohl auch darin begründet, dass der Cadillac ELR – auch durch seine hochwertigere Ausstattung – deutlich teurer ist, als der Chevrolet Volt.

Opel und Vauxhall

Opel hat 2011 den Opel Ampera und in Großbritannien den baugleichen Vauxhall Ampera als Plug-in-Hybrid eingeführt, der ebenfalls ein Schwestermodell des Chevrolet Volt ist und damit den gleichen Antrieb mit exakt denselben Parametern mitbringt. Während auch das Interieur des Ampera fast exakt des Volt entspricht (es gibt lediglich in der Farbgebung Unterschiede), gibt es im Exterieur deutlich sichtbare Änderungen, um den Ampera stärker an das „europäischere“ Opel-Hausdesign anzupassen. Bis einschließlich 2014 gab es in den meisten europäischen Märkten, in denen Opel und Chevrolet gleichzeitig vertreten waren, daher die Situation, dass viele Händler, die sowohl Opel-, als auch Chevrolet-Vertragshändler waren, beide Modelle führten, die sich lediglich im Preis unterschieden. Erst durch den weitgehenden Rückzug der Marke Chevrolet aus Europa besserte sich die Situation.

Dennoch gehört der Opel Ampera trotz seines durchaus gelungenen Designs leider zu einem Ladenhüter. Im Jahr 2014 wurden gerade einmal 117 Einheiten in Deutschland neu zugelassen (2013: 335, 2012: 828, 2011: 241). Da auch der Opel Ampera in den USA produziert wird und die Verkaufspreise mehrfach nach unten angepasst wurden, ist der Ampera für Opel mit jeder verkauften Einheit von Anfang an ein Verlustgeschäft gewesen. Auch das dürfte ein Grund für die Entscheidung gewesen sein, dass der Modellwechsel beim Chevrolet Volt ohne einen Ampera-Nachfolger stattfindet und Opel derzeit ausschließlich bereits produzierte Lagerfahrzeuge abverkauft.

Für die nähere Zukunft hat Opel-Chef Karl-Thomas Neumann dennoch wieder ein Opel-Elektroauto skizziert, das sich nach seiner Aussage nicht einfach als „Bolt-Nachbau“ identifizieren lassen, sondern ein „echtes“ Opel-Fahrzeug sein soll. Zu rechnen ist damit wohl erst im Jahr 2017, wobei die Chancen gut stehen, dass erste Konzepte schon im Laufe des Jahres 2016 präsentiert werden könnten.

Die Zukunft der Elektromobilität bei General Motors

General Motors hat zumindest schon bewiesen und beweist mit Modellen in aktueller Serienfertigung, dass der Autohersteller aus Detroit Elektromobilität inzwischen versteht, sowohl mit reinen Elektroautos, als auch in Hybrid-Fahrzeugen mit dem selbst entwickelten Voltec-Antrieb. Bezeichnend dafür, dass Elektromobilität bei den Amerikanern einen hohen Stellenwert hat, sind die vielen Konzepte wie eben das aktuelle Beispiel des Chevrolet FNR. Konzeptfahrzeuge schaffen es zwar nur selten zu einer Serienfertigung, stehen jedoch in ihren Komponenten durchaus für zukünftige Lösungen.

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