Elektroautohersteller Mia electric ist am Ende.

Nachdem der französisch-deutsche Elektroautohersteller Mia electric bereits im Februar diesen Jahres Gläubigerschutz in Frankreich beantragen musste, scheint nun nach sechs Monaten das Ende des Unternehmens gekommen zu sein. Alle Versuche, die Modellreihe des gleichnamigen Mia, einem kleinen und rein elektrisch fahrenden Elektro-Van, mit zusätzlicher Management-Manpower besser zu vermarkten und das Unternehmen zu restrukturieren, sind offenkundig gescheitert.

Das im Jahr 2010 aus der Elektroautosparte des französischen Karosseriespezialisten Heuliez heraus gegründete Unternehmen stand seit Februar 2014 unter Gläubigerschutz, nachdem die Geschäftsführung diese aufgrund der drohenden Zahlungsunfähigkeit beim zuständigen Gericht für Kommerz im französischen Niort beantragt hatte. Die Fahrzeugproduktion der Mia-Modellreihe stand schon im Dezember 2013 still, da Rechnungen von Zulieferern nicht mehr beglichen werden konnten. Das Gericht stellte der Geschäftsführerin Michelle Boos einen bestellten Verwalter an die Seite, um eine Restrukturierung des Unternehmens und eine Ankurbelung des Fahrzeugverkaufes zu ermöglichen. Schon einige Wochen später wurde den 200 Beschäftigten mitgeteilt, dass die Zukunft ihrer Arbeitsplätze ungewiss ist. Diese dunklen Aussichten haben sich nun bestätigt.

Wie der einschlägigen französischen Website Voiture Electrique Populaire zu vernehmen ist, sollen die Vermögenswerte des Unternehmens Ende September meistbietend versteigert werden, und zwar getrennt nach Immobilien, Montageeinrichtungen, intellektuellen Werten wie Patente und Markenrechte sowie Ersatzteilen. Eine Zerschlagung des Unternehmens dürfte damit besiegelt sein, ebenso der Verlust des größten Teil des eingesetzten Investorenkapitals.

Spannend dürfte auch die politische Dimension werden, die die Mia-Pleite aufwirft, da das Unternehmen von der industriearmen Region Poitou-Charentes gefördert wurde und insgesamt 12 % der Unternehmensanteile in staatlichem Besitz waren. Die Entscheidung zur Förderung des Unternehmens wurde offensichtlich maßgeblich von der französischen Umweltministerin und ehemaligen Präsidentschaftskandidatin Ségolène Royal vorangetrieben, als sie noch als Vorsitzende des Regionalrates der Region Poitou-Charentes amtierte.

Mit dem Ende von Mia Electric endet auch eine sehr engagiert entwickeltes Produkt, das maßgeblich vom etablierten Autodesigner Murat Günak vorangetrieben wurde. Die weiteren Entwicklungen bei der Zwangsversteigerung der Unternehmensteile werden zeigen, inwiefern für derzeitige Besitzer von Mia-Fahrzeugen der Service und die Ersatzteilversorgung sichergestellt werden kann.

2 Gedanken zu “Elektroautohersteller Mia electric ist am Ende.

  1. Die politische Seite der Affäre kommt erst noch. Frau Michelle Boos, die mit Focus Asia das Unternehmen im Jahr 2013 übernommen hat und für die Mia Pleite verantwortlich ist, wurde am 13. September 2014 wegen konkreter Fälle von Betrugsverdacht in Untersuchungshaft genommen:

    http://france3-regions.francetvinfo.fr/poitou-charentes/2014/12/13/mia-electric-la-justice-reproche-de-multiples-malversations-financieres-michele-boos-mise-en-examen-612152.html

    Dass die Dame, die auch in Deutschland für Unterschlagung und Kapitalanlagebetrug unter Anklage steht, so lange ihre kriminellen Absichten verschleiern konnte, ist ein Skandal. Aber alle Bemühungen der Executive haben jetzt endlich Erfolg. Hoffentlich kommt die Dame für lange Zeit hinter Gitter. Sie hat genug Schaden angerichtet und Unglück gebracht.

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