Was bezweckt Google mit dem Self-Driving Car Project?

Der Suchmaschinenriese Google forscht schon seit einer ganzen Weile an selbstfahrenden Fahrzeugen, die hier und da im Silicon Valley auch schon ausprobiert werden und auch an herstellerunabhängigen Wettbewerbern teilgenommen haben. Und auch wenn viele Forschungsprojekte bei Google von fast schon kindlichem Eifer geprägt sind – wer Google wegen solchen Forschungsfeldern belächelt und nicht ernst nimmt, hat die beeindruckende Unternehmensgeschichte des erst 15 Jahre alten Unternehmens nicht verstanden.

Renault-Chef Carlos Ghosn wagte sich als erster Unternehmensleiter eines großen Autoherstellers an die etwas undankbare Aufgabe, als Vertreter „herkömmlicher“ Autohersteller auf einen Artikel in Googles Unternehmensblog zu reagieren, in dem Ende Mai der Suchmaschinenriese erste öffentliche Fahrten eines selbstfahrenden Elektrofahrzeugs für sicherlich instruiertes Versuchspublikum inszenierte, unter anderem mit folgendem Video:

Googles selbstfahrende Autos müssen etablierten Herstellern, so der Renault-Chef auf einer Veranstaltung zum „Auto der der Zukunft“ in Paris, keine großen Sorgen bereiten. Fahrzeuge zu bauen mache viel Arbeit und die Margen seien vergleichsweise gering. Zudem schätzte Ghosn, dass Haftungsfragen solche autonom fahrenden Autos für eine lange Zeit nicht auf die Straße lassen dürften: „Das Problem ist nicht die Technologie, das Problem ist die Gesetzgebung.“

Nun ist die Sicht auf vermeintlich hohe Produktionskosten und das Schielen auf die Marge nicht unbedingt ein Kriterium, das für Hersteller von reinen Elektrofahrzeugen vorherrscht. Das beste Beispiel ist der Autohersteller Tesla Motors, der beispielsweise 2013 nur so viele Fahrzeuge gebaut hat, wie Audi in rund einem Monat. Trotzdem ist Tesla in der Lage, einen sehr hohen Verkaufspreis des einzigen Modells mit nur sehr wenigen Optionen durchzusetzen und kämpft sicherlich nicht mit Überproduktionen. Zudem erfüllt Tesla seine Vorhersagen im Bezug auf Produktionszahlen und dem Weg zur Profitabilität.

Funktioniert die „alte“ Sichtweise von Autoherstellern auf die Mobilität von morgen?

Selbstverständlich sind autonom fahrende Fahrzeuge keine Domäne von Google und nahezu alle großen Autohersteller forschen mit mehr oder weniger viel Erfolg an diesem Thema. Einfache Ergebnisse sind viele Technologien wie zum Beispiel elektronische Assistenten zur Spurhaltung, zum automatischen Einparken, zur Kollisionswarnung oder zur Erkennung von Verkehrszeichen. Autonom fahrende Autos auf öffentlichen Straßen sind daher keine Frage der Machbarkeit, sondern der Zeit.

Und auch wenn für den „normalen“ Autofahrer der Spaßfaktor bei einem Auto, das er nicht selbst lenken kann, augenscheinlich sehr gering scheinen mag – für viele jüngere, ältere, behinderte oder einfach nur lenkfaule Menschen scheitert die Individualmobilität in der Regel immer daran, dass sie selbst ein Auto nicht lenken können. Und nicht zuletzt stellen sich viele Menschen in urbanen Lebensräumen auch immer häufiger die Frage, ob sich ein eigenes Auto überhaupt lohnt und sich individuelle Mobilität nicht anders lösen lässt. „Carsharing“ und „Car-to-Go“ ist hier nur eine von vielen Antworten darauf.

Rein wirtschaftlich gesehen wird langfristig der Trend in Richtungen gehen, die es nicht unbedingt erfordern, vier bis fünfstellige Beträge in ein eigenes Auto zu investieren, das die meiste Zeit dann doch in der Garage oder vor dem Haus steht. Ketzerisch gesagt stellt sich dann auch nicht mehr die Frage nach der Marge bei einem Privatauto, das eben nicht gekauft wird.

Autonom fahrende Fahrzeuge und die Elektromobilität

Man muss kein Prophet sein, wenn man erkennen möchte, dass autonom fahrende Fahrzeuge und Elektromobilität eine traumhafte Kombination darstellen. Elektroautos sind wartungsarm und können umweltfreundlich geladen werden, während autonom fahrende Autos die Lücke zwischen öffentlichen Verkehrsmitteln und dem Fußweg ausfüllen.

Im Gegensatz zu klassischen Taxen müssen autonome Fahrzeuge nicht unbedingt wieder den vollständigen Rückweg zum Startort antreten, sondern könnten zu einer naheliegenden Station fahren oder auch einfach an Ort und Stelle auf neue Aufträge warten. Die Auslastung so eines Fahrdienstes wäre, je nach Organisation und Ballungsraum, sicherlich deutlich höher, als bei Taxi & Co.

Und auch wenn es natürlich einhergeht mit dem Verlust einer kompletten Branche: Kein Taxiunternehmen der Welt kann so flexibel planen und reagieren wie ein Rechenzentrum, das den Bedarf an Fahrten und Fahrzeugen mitunter über Wochen im voraus, aber auch bis zur letzten Minute hin planen und steuern kann und zu jeder Tages- und Nachtzeit ein autonom fahrendes Auto punktgenau dorthin schickt, wo es angefordert wurde.

Ein mögliches Geschäftsmodell

Google wäre aber nicht Google, wenn nicht hinter jedem größeren Projekt zumindest ein theoretische Ansatz zur Monetarisierung und/oder zur Einbindung in die Produktstrategie existieren würde. Zwar kann man darüber im jetzigen Status letztlich nur Vermutungen anstellen, wenn man jedoch die Entwicklungen von Google im Bereich Location Based Services näher anschaut, passt ein Einsatzzweck bestechend gut.

Google Now ist ein Dienst vornehmlich für Smartphones und liefert schon heute eine Reihe von nutzerspezifischen Informationen auf Basis dessen, was der Nutzer sucht, wo er sich befindet, für welchen Sport er sich interessiert – und wohin er reisen möchte. Im Kalender hinterlegte Termine mit Standortangaben nutzt Google Now schon heute dazu, um den Nutzer zeitig zu alarmieren und ihm auch gleich eine Routenplanung inklusive Stauprognosen anzubieten oder eine günstige Verbindung mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Gut denkbar, dass hier zukünftig auch eine Möglichkeit zur Bestellung eines autonom fahrenden Fahrzeugs angeboten werden könnte.

Dass auch hier Google den Markt gehörig aufkrempeln könnte, mag man nicht bezweifeln, auch wenn Google in Sachen Auto noch branchenfremd ist. Auch die Daimler AG war im Bereich des Carsharings einmal Neuling, als sie in Ballungsräumen erstmals Car-to-Go mit einer eigenen Fahrzeugflotte ausprobierten. Und ironischerweise trägt die Flotte der elektrisch fahrenden Smarts dabei einen elektrischen Antrieb, der ebenfalls von einem ehemaligen Branchenfremden stammt, nämlich von Tesla Motors.

Die mobile Zukunft – zumindest in den Industriestaaten – ist in Zukunft keine mehr, die ausschließlich von den bisherigen Autoherstellern gestaltet wird.

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