Elektroautos von Foxconn?

Die Mitteilung im taiwanesischen Nachrichtenkanal „Focus Taiwan“ lässt aufhorchen: Der Mutterkonzern des taiwanesischen Auftragsherstellers Foxconn plant angeblich die Produktion eines Elektrofahrzeugs zu einem Kampfpreis unter 15.000 US-Dollar – so Konzernchef Terry Gou auf Frage eines Aktionärs auf einer Aktionärsversammlung. Spannende Geschichte oder eine Luftnummer?

So richtig weiß man nicht, was man von der Äußerung von Terry Gou, Präsident des taiwanesischen Konzerns Hon Hai Precision Industries (der Mutterkonzern des Elektronikherstellers Foxconn), halten soll, die er auf einer Aktionärsversammlung auf eine Frage mit dem Hinweis gab, dass Hon Hai Precision Industries die Produktion von Elektrofahrzeugen zu einem Kampfpreis von unter 15.000 US-Dollar plane.

„Die Entwicklung von Fahrzeugen mit elektrischen Antrieben beginnt gerade erst“, so Terry Gou. „In Verbindung mit Cloud Computing, des Internets, intelligenter Verkehrssteuerung und vernetzten Städten können Menschen in Zukunft einfacher fahren und Verkehrsunfälle können zuverlässiger verhindert werden. Diese Technologien werden in den nächsten 10 bis 20 Jahren reif sein und unser Unternehmen wird große Investitionen darin tätigen.“

Detailierte Pläne wollte Gou auf Nachfrage nicht nennen, ebenso keinen Zeitrahmen.

Ein Elektronikhersteller als Autobauer?

Abgesehen davon, dass Äußerungen zu Zukunftsstrategien auf Aktionärsversammlungen nicht unbedingt die Realität darstellen – Terry Gous Ambitionen hören sich schon sehr verwegen an. Foxconn hat mit 1,2 Millionen Mitarbeitern (Stand Mai 2013) zwar mehr Mitarbeiter als alle anderen Autohersteller und bringt als Auftragsfertiger für fast alle namhaften Elektronikunternehmen eine beeindruckende Expertise im Bereich der industriellen Fertigung in Hochtechnologiebereichen mit, allerdings bedeutet das nicht unbedingt, dass man so auch Autos in nennenswerten Stückzahlen gebaut bekommt.

Der Lebenszyklus moderner Unterhaltungselektronik ist deutlich kürzer als der von den meisten Autos und die Automobilfertigung erfordert eine sehr hohe Fertigungsqualität von der Planung der vielen tausend Teile bis zur Montage der letzten Schraube. An der Qualität der Teile und der Montage steht und fällt jedes automobile Engagement. Selbst Neulinge wie Tesla bauen ihren Erfolg auf vielen Säulen zur bestehenden Automobilindustrie, ob das nun die Zulieferung bedeutender Baugruppen ist oder letztendlich auch der Umstand, dass das Tesla-Produktionswerk im kalifornischen Freemont ursprünglich eine Toyota-Fertigungsstätte war. Ganz zu schweigen davon, dass Tesla-Antriebe beileibe nicht nur in teuren Tesla-Fahrzeugen zu finden sind, sondern Tesla nebenbei auf Auftragsfertiger für andere Autohersteller ist und auch sein muss, um halbwegs wirtschaftlich sein zu können.

Als Elektronikkonzern und ehemaliger Hersteller von Kunststoffprodukten „nebenbei“ eine Automobilproduktion wirklich von Null an zu entwickeln und schon innerhalb kurzer Zeit ein Elektrofahrzeug zu einem Kampfpreis produziert bekommen und das dann auch möglichst schnell auf den vielen internationalen und teilweise extrem regulierten Märkten mit einem Verkaufs- und/oder Händlernetz unterzubringen – so ein Plan von Foxconn dürfte eines der größten Abenteuer in der modernen Industrie werden – wenn denn die geäußerten Pläne von Terry Gou tatsächlich echte Planungen widerspiegeln.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.