„Alle unsere Patente gehören euch.“

Das Wesen von Elon Musk einzusortieren, ist kein einfaches Unterfangen. Während man über die eine oder andere unternehmerische Entscheidung von Musik noch nachdenkt, kündigt sich schon die nächste Revolution an. So geschehen am Donnerstag, als der Tesla-Chef eine Neuigkeit zu Patenten ankündigte, wie üblich „hemdsärmelig“ in seinem eigenen Twitter-Stream. Und tatsächlich ist es „wieder einmal“ kaum weniger als eine Revolution, denn Tesla Motors öffnet seinen eigenen Patentpool für alle und jedermann.

In der Elektromobilitätsszene gehört es zur festen Einrichtung, dem Twitter-Account von Tesla-Chef Elon Musk zu folgen. Denn während bei anderen Autoherstellern Neuigkeiten normalerweise über sorgsam gepflegte Presseverteiler ihren Weg in die Öffentlichkeit finden, nutzt Musk gern Twitter und erreicht so auf einen Schlag derzeit rund 713.000 Empfänger. So eine Mitteilung sendete er am Mittwochmorgen ab:

Einige Stunden später konnte es dann jeder im Weblog von Tesla Motors nachlesen – Tesla wird zukünftig keine Patentklagen gegen Unternehmen oder Personen anstrengen, die in Treu und Glauben von Tesla patentierte Technologien einsetzen. Musk begründet die Entscheidung so, dass man bei Tesla glaubt, dass dadurch Tesla selbst, alle anderen Hersteller von Elektromobilen und nicht zuletzt die restliche Welt davon profitiert.

Technologische Marktführerschaft, so Musk weiter, sei nicht durch Patente definiert, wie sich in der Vergangenheit oft dadurch gezeigt hat, dass Patente nur einen kleinen Schutz gegen Wettbewerber darstellen. Vielmehr beziehe ein Unternehmen seine Marktführerschaft dadurch, in dem es attraktiv und offen ist für die allerbesten Ingenieure. Bei Tesla glaube man, dass der Open-Source-Gedanke für die eigenen Patente die eigene Position des Unternehmens eher weiter stärken wird.

Diese hehren Gedanken werden sicherlich in der Autobranche eine Menge neuer Fragen und Ansichten aufwerfen. Patente gehören bei allen Autoherstellern zum guten Ton und auch wenn ein Patentschutz nur wenige Jahre andauert und viele Patente durch Weiterentwicklungen umgangen werden – in allen namhaften Entwicklungsabteilungen existieren eigene Abteilungen, die neue Technologien sofort mit Patentanträgen sichern lassen wollen. Patente sind millionenschwere immaterielle Werte und viele herstellerübergreifende Partnerschaften basieren darauf, dass die eigenen Patentpools für den jeweils anderen Partner exklusiv zugänglich gemacht werden.

Vermutlich braucht es erst so Menschen wie Elon Musk, denen die Mission anscheinend erheblich wichtiger ist, als das Absichern eines Nischenmarktes durch möglichst viele Patente:

„Bei Tesla fühlten wir uns gezwungen, Patente einzureichen in der Befürchtung, dass die großen Autohersteller unsere Technologie kopieren könnten, um dann ihre Kapazitäten für Massenproduktion, Verkauf und Marketing dazu einzusetzen, Tesla zu überwältigen. Wir konnten mit dieser Denkweise nicht falscher liegen. Genau das Gegenteil ist nämlich die traurige Realität: Programme für Elektromobile (oder für alle anderen Fahrzeuge, die keine Kohlenwasserstoffe verbrennen) sind bei allen großen Autoherstellern entweder winzig oder gar nicht vorhanden, wenn man bedenkt, dass solche Fahrzeuge weit weniger als 1 Prozent aller verkauften Fahrzeuge darstellen.“

Wie auch immer man die Haltung von Elon Musk und Tesla Motors bewerten möchte – es wird spannend zu sehen, wie andere Autohersteller mit diesem Vorstoß von Tesla umgehen werden. Die Tesla-Anleger jedenfalls zeigen sich völlig unbeeindruckt von der Preisgabe der Unternehmenswerte – der Aktienkurs blieb an der New Yorker Börse NASDAQ nahezu unverändert und legte im deutschen XETRA-Handel gar um 2,4 % zu.

Man stelle sich vor, was bei „herkömmlichen“ Autoherstellern nach so einer Bekanntgabe los wäre. Das brachte mich selbst in meinem Twitter-Account zum folgenden Vergleich:

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