Wie funktioniert der genormte Testzyklus NEDC?

Die Angaben für den Kraftstoff- bzw. Energieverbrauch bei einem Kraftfahrzeug ist in den letzten Jahren zu einer der wichtigsten Parametern geworden, nachdem der Autokauf geplant wird. Seit 1996 wird dieser Verbrauch nach einem einheitlichen Testzyklus gemessen, dem New European Drive Cycle (NEDC). Dieser einheitliche Zyklus ermöglicht es, auf gleiche Weise ermittelte Verbrauchswerte bei verschiedenen Fahrzeugen miteinander zu vergleichen. Allerdings ist der Testzyklus selbst immer wieder aufgrund einiger realitätsferner Annahmen in der Diskussion.

Vergleichbare Verbrauchswerte sind in der Fahrzeugwelt unabdingbar. Ohne einen penibel gemessenen Verbrauch lassen sich keinerlei vernünftige Aussagen über Reichweiten, CO2-Effizienz oder Effizienzklassifizierungen anstellen. Das gilt auch und vor allem auch für Elektroautos, bei denen die mögliche Reichweite eine übergeordnete Rolle spielt.

Durchführung des Testzyklus

Der Testzyklus selbst wird unter Laborbedingungen auf einem Rollenprüfstand durchgeführt, wie er zum Beispiel auch in ähnlicher Form beim Bremsentest eingesetzt wird. Um die im Labor fehlenden Parameter der Roll- und Luftwiderstände zu simulieren, werden diese zwei Parameter zuvor mit echten Straßenfahrten des Testfahrzeuges ermittelt und damit der Rollenprüfstand programmiert.

Der eigentliche Testzyklus dauert exakt 1.180 Sekunden und ist unterteilt in zwei Unterzyklen, dem Urban Driving zum Abbilden einer Stadtfahrt und dem Extra-Urban Driving zum Abbilden einer Überland- und Autobahnfahrt. Die einzelnen Beschleunigungsmanöver sind dabei genau definiert und werden von einem geschulten Fahrer am Prüfstand im Fahrzeug durchgeführt, inklusive der Schaltvorgänge bei manuellem Schaltgetriebe.

Manöver im Urban Driving

Das Fahrzeug wird bei Sekunde 0 gestartet.

  1. 11 Sekunden Pause (bei Schaltgetriebe: 6 Sekunden Leerlauf mit geschlossener, 5 Sekunden im 1. Gang mit offener Kupplung).
  2. 4 Sekunden langsame Beschleunigung auf 15 km/h.
  3. 8 Sekunden normale Fahrt bei 15 km/h.
  4. 5 Sekunden Abbremsen auf Stillstand (Schaltgetriebe: Die letzten 3 Sekunden mit offener Kupplung).
  5. 21 Sekunden Pause (Schaltgetriebe: 16 Sekunden im Leerlauf, 5 Sekunden im 1. Gang).
  6. Ab Sekunde 49 dann 12 Sekunden langsame Beschleunigung auf 32 km/h (Schaltgetriebe: 5 Sekunden im 1. Gang, 2 Sekunden Gangwechsel, 5 Sekunden im 2. Gang).
  7. 24 Sekunden normale Fahrt bei 32 km/h.
  8. 11 Sekunden Abbremsen auf Stillstand (Schaltgetriebe: Die letzten 3 Sekunden mit offener Kupplung).
  9. 21 Sekunden Pause (Schaltgetriebe: 16 Sekunden im Leerlauf, 5 Sekunden im 1. Gang).
  10. Ab Sekunde 117 dann 26 Sekunden langsame Beschleunigung auf 50 km/h (Schaltgetriebe: 5 Sekunden 1. Gang, 2 Sekunden Gangwechsel, 9 Sekunden 2. Gang, 2 Sekunden Schaltwechsel, 8 Sekunden 3. Gang).
  11. 12 Sekunden normale Fahrt bei 50 km/h.
  12. 8 Sekunden Abbremsen auf 35 km/h.
  13. 13 Sekunden normale Fahrt bei 35 km/h.
  14. 12 Sekunden Abbremsen auf Stillstand (Schaltgetriebe: 2 Sekunden Gangwechsel, 7 Sekunden 2. Gang, letzte 3 Sekunden mit offener Kupplung).

Der Zyklus endet bei Sekunde 195 und wird insgesamt viermal hintereinander durchgeführt. Pro Zyklus entspricht die Fahrsimulation eine Strecke von 1.017 Metern, so dass nach vier Durchgängen und 780 Sekunden der Urban Drive mit 4.067 Metern absolviert ist.

Manöver im Extra-Urban Driving

Der nächste Zyklus zum Simulieren der Überland- bzw. Autobahnfahrt wird unmittelbar nach dem Urban Driving durchgeführt, der Motor ist also schon in Betrieb.

  1. 20 Sekunden Pause (Schaltgetriebe: Im 1. Gang mit offener Kupplung).
  2. 41 Sekunden langsame Beschleunigung auf 70 km/h (Schaltgetriebe: 5 Sekunden 1. Gang, 2 Sekunden Gangwechsel, 9 Sekunden 2. Gang, 2 Sekunden Gangwechsel, 8 Sekunden 3. Gang, 2 Sekunden Schaltwechsel, 13 Sekunden 4. Gang)
  3. 50 Sekunden normale Fahrt bei 70 km/h (Schaltgetriebe: Im 5. Gang).
  4. 8 Sekunden Abbremsen auf 50 km/h (Schaltgetriebe: 4 Sekunden im 5. Gang, 4 Sekunden im 4. Gang).
  5. 69 Sekunden normale Fahrt bei 50 km/h.
  6. 13 Sekunden langsame Beschleunigung auf 70 km/h.
  7. Ab Sekunde 201 dann 50 Sekunden normale Fahrt bei 70 km/h (Schaltgetriebe: Im 5. Gang).
  8. 35 Sekunden langsame Beschleunigung auf 100 km/h.
  9. 30 Sekunden normale Fahrt bei 100 km/h (Schaltgetriebe: Im 5. oder 6. Gang).
  10. Ab Sekunde 316 dann 20 Sekunden langsame Beschleunigung auf 120 km/h.
  11. 10 Sekunden normale Fahrt bei 120 km/h.
  12. 34 Sekunden Abbremsen auf Stillstand (Schaltgetriebe: Im 5. oder 6. Gang, die letzten 10 Sekunden mit offener Kupplung).
  13. 20 Sekunden Pause (Schaltgetriebe: Offene Kupplung)

Dieser zweite Teil des vollständigen Testzyklus dauert 400 Sekunden und entspricht in der Fahrsimulation einer Strecke von 6.956 Metern und einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 62,6 km/h.

In der Zusammenfassung beider Unterzyklen ergibt sich somit eine theoretische Gesamtdistanz von 11.023 Metern und einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 33,6 km/h.

Berechnungen auf Basis der ermittelten Werte

Die ermittelten Verbrauchswerte sind dann Basis weiterer Berechnungen, wie beispielsweise der Verbrauch auf jeweils 100 Kilometern in Fahrweise in der Stadt, auf dem Land und in einer Kombination davon. Ebenso werden aus diesen Werten dann auch der CO2-Emmissionen ermittelt und im Verhältnis mit dem Hubraum die Effizienzklasse. Bei reinen Elektroautos wird der Stromverbrauch gemessen, bei Hybridfahrzeugen entsprechend eine Kombination aus den Antrieben. Das wiederum ist eine besondere Herausforderung, da der Testzyklus zu kurz ist, um langfristige Bemessungsgrundlagen ermitteln zu können, die aus dem Zusammenspiel mehrerer Antriebe herrühren sollen.

Realitätsnähe des NEDC

Der NEDC ist schon seit längerer Zeit in der Diskussion darüber, ob seine einzelnen Prüfpunkte tatsächlich noch die Realität des Autofahrens in Europa abbilden. Dazu muss man wissen, dass der Zyklus mit der Richtlinie 70/220/EWG des Europäischen Rates im März 1970 – also vor über 40 Jahren! – eingeführt wurde. Zudem kommt hinzu, das zwar die simulierten Fahrmanöver vorgegeben sind, einige wichtige Rahmenbedingungen jedoch nicht. Beispielsweise muss zwar das Fahrzeug zu Beginn kaltgestartet werden, die Umgebungstemperatur darf jedoch zwischen 20° und 30° Celsius liegen. Ein Fahrzeugstart im Winter ist also im NEDC gar nicht vorgesehen.

Hinzu kommen „weiche“ Rahmenbedingungen, die ebenfalls nicht definiert sind: So können der Reifenluftdruck erhöht, das jeweils kleinste Fahrzeuggewicht eingesetzt, die Radgeometrie angepasst, Ränder an der Karosserie abgeklebt werden und so weiter. All diese einzelnen Manipulationen, die genau genommen ja durchgeführt werden dürfen, führen zusammen mit dem Fehlen von Hochgeschwindigkeiten logischerweise zu eher niedrigen Verbrauchswerten, bei denen Fachleute davon ausgehen, dass sie 10 bis 25 Prozent unter realistischen Werten liegen.

Dennoch hat jeder Testzyklus zumindest für einen Vergleich von Fahrzeugen und deren Effizienz seine Berechtigung.

4 Gedanken zu “Wie funktioniert der genormte Testzyklus NEDC?

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