Die (vorgestellte) Elektromobilität im Jahr 2002: Der Lexus 2054

Der im Jahre 2002 veröffentlichte Kinofilm „Minority Report“ von Regisseur Steven Spielberg setzte in mehreren Genres Maßstäbe, galt doch die originale Romanvorlage des Science-Fiction-Autors Philip K. Dick bis dato als nicht verfilmbar, wie so viele Bücher des exzentrischen Schriftstellers. In „Minority Report“, das in einer utopischen Welt im Jahre 2054 spielt, setzt Spielberg auf teilweise sehr eigenwillige Interpretationen von gängiger Technik, unter anderem auch mit zwei Arten von Elektromobilität, die man sich näher anschauen sollte.

Steven Spielberg setzte sich in „Minority Report“ mit zwei Arten von urbaner Fortbewegung auseinander, dem Massen- und dem Individualverkehr. Zwar gibt es hierzu nur einige wenige Szenen im Film, allerdings lohnt sich eine nähere Betrachtung beider Interpretationen und der Fahrzeuge.

Lexus MAGLEV 500

Als eine Art individueller Nahverkehr versteht sich das Transportmittel „MAGLEV“, das für „Magnetic Levitated“ steht und damit magnetschwebende Fahrzeuge darstellen soll. Diese bestehen aus komfortablen Kabinen, die Einwohner bis direkt in ihre Wohnungen buchen können und von dort aus dann selbstständig und fahrerlos ein einprogrammiertes Ziel einfahren. Dargestellt ist dabei das autonome Fahren, bei dem es nur ansatzweise angedeutet wird, ob die Fahrzeuge zentral gesteuert werden oder sich durch eine eventuelle „Schwarmintelligenz“ selbstständig organisieren. Dass eine zentrale Steuerung möglich sein könnte, wird zumindest dadurch bewiesen, dass im Film das benutzte Fahrzeug des Protagonisten von Polizeibehörden im Rahmen einer Fahndung übernommen wird und zu einem anderen Ziel gesteuert werden soll.

Die Fahrtaufnahmen des Lexus MAGLEV 500 sind in „Minority Report“ ausschließlich am Computer entstanden, für die Aufnahmen mit Schauspielern existierten nicht fahrbereite Anfertigungen mit vollständigem Interieur. Das Konzept der magnetschwebenden Fahrzeuge, die nicht auf festen Schienen, sondern individuell auf Fahrbahnen auf dem Boden und an Häuserwänden schweben, ist reine Fiktion.

Lexus 2054

Zumindest zu drei fahrbereiten Exemplaren schaffte es eine weitere Vision von Fahrzeug, der „Lexus 2054“. Dieses Auto, das der Hauptdarsteller John Anderton kurzerhand stiehlt, ist im Film ein Elektrofahrzeug, das in einer eher kleinen, robotergesteuerten Fabrik gefertigt wird. Spielbergs Vision von individueller Mobilität ist hier ein Auto, das von Roboterhand zusammengebaut wird, ganz im Sinne von Lean Production innerhalb kürzester Zeit unter Einsatz von vielen formbaren Kunststoffen.

Unter der Haube des Boliden ging es freilich trotz kühnem und zukunftsfähigen Design recht traditionell zu: Anstatt eines Elektroantriebes werkelte in den drei tatsächlich gebauten Lexus 2054 ein herkömmlicher Sechszylinder-Benzinmotor von Chevrolet. Der Lexus 2054 ist also gar kein Elektroauto, da das Auto trotz im Film eingemischten, sehr charakteristischen Elektroantriebsgeräuschen gar keinen Elektroantrieb an Bord hat. In den erstellten Konzeptautos ebenfalls nur angedeutet waren sämtliche Beleuchtungselemente und das gesamte Interieur.

Die Zusammenarbeit Spielbergs mit dem Autohersteller Lexus in „Minority Report“ gehört in der Hollywood-Welt zu den bis dato größten und offensichtlichsten Product Placements. Neben Lexus integrierten auch so Unternehmen wie Pepsi, American Express und Nokia Zukunftsvisionen im Film. Der Autohersteller Lexus, der nach eigenen Angaben von Spielberg dazu eingeladen worden war, für den Film die Konzepte des MAGLEV 500 und des Lexus 2054 zu entwickeln, ließ sich sein Engagement geschlagene 5 Millionen US-Dollar kosten und durfte dafür sein Konzeptfahrzeug im Rahmen des Filmes mit entsprechender Namensnennung präsentieren. Die drei Konzeptfahrzeuge wurden dazu weltweit in Präsentationen, Messen und Ausstellungen eingesetzt und setzten in Sachen Design und Innovation durchaus Akzente – nur elektrisch fuhren sie nie.

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