Steckertypen bei Elektroautos

Elektromobilität steht und fällt mit einheitlichen Steckersystemen. Zwar lässt sich bei einer eigenen Heimladestation noch ein proprietärer Standard am ehesten durchsetzen – spätestens aber bei öffentlich verfügbaren Ladestationen sind einheitliche Standards gefragt. Derzeit sind noch zwei verschiedene Systeme verbreitet, die technisch inkompatibel zueinander sind, aber immerhin in einer Norm definiert sind: Der Norm IEC 62196.

Schaut man in Ladestationsverzeichnisse, finden sich dort meist Angaben für zwei Steckersysteme, dem Typ-1- und dem Typ-2-Stecker. Schauen wir uns die Steckersysteme einmal genauer an:

Typ 1 – SAE J1772

Michael Hicks via Wikpedia / Lizenz: CC-BY-SA-2.0

Michael Hicks via Wikpedia / Lizenz: CC-BY-SA-2.0

Der so genannte Typ-1-Stecker wurde bisher vornehmlich von japanischen und amerikanischen Autos verwendet, so zum Beispiel der Toyota Prius, der Chevrolet Volt oder der Opel Ampera (da das Schwestermodell von Chevrolet). Die eigentliche Kennzeichnung des Steckertyps lautet „SAE J1772“, „SAE“ steht hierbei für „Society of Automotive Engineers“, einem Verband von Automobilingenieuren, die den Steckertyp entwickelt haben.

In der ursprünglichen Definition im Jahre 2001 war der Stecker noch eckig, das wurde im Jahr 2009 mit einer Revision geändert, so dass der heutige Steckertyp rund ist. Der Stecker besitzt eine mechanische Verriegelung auf der Oberseite, der gleichzeitig als Ladeschalter dient – wird der Stecker entriegelt, wird der Ladestation signalisiert, sofort den Ladevorgang zu beenden.

Der Typ-1-Stecker ist auf einphasiges Laden an normalen Haushaltssteckdosen mit 110 bzw. 220-240 Volt vorbereitet und besteht aus fünf Adern: Der stromführende Außen- und der Nullleiter, einem Schutzleiter (Erde) und zwei Leiter zur internen Signalisierung und Kommunikation zwischen Elektroauto und Ladestation. Da ein einphasiger Stromanschluss ausreicht, kommt dafür im Prinzip jede Haushaltssteckdose infrage. Meist liegen Fahrzeugen mit Typ-1-Steckdose daher auch ein recht einfaches Ladeset bei.

Typ 2 – VDE-AR-E 2623-2-2

Mennekes Elektrotechnik

Mennekes Elektrotechnik

Der Typ-2-Stecker ist eine Entwicklung des Stecksystemherstellers Mennekes, der den Stecker nach den Anforderungen des Autoherstellers Daimler und des Energieerzeugers RWE entwickelt hat. Der Stecker wurde zunächst in einer nationalen Norm definiert und später in die internationale Norm IEC 62196 übernommen.

Der Typ-2-Stecker ist ebenfalls weitgehend rund hat an der Oberseie jedoch eine Abflachung. Die dient dazu, dass der Stecker nur in einem Winkel eingesteckt werden kann und so keine Verpolung möglich ist.

Der Typ-2-Stecker ist auf ein dreiphasiges Laden an Drehstromanschlüssen vorbereitet und zielt damit in den europäischen und deutschen Raum, wo Drehstromanschlüsse verbreitet sind. Liegt ein Drehstromanschluss vor, lässt sich an diesem Anschluss eine stationäre Ladestation installieren, die dann den passenden Typ-2-Stecker für entsprechende Fahrzeuge besitzt. Der Typ-2-Stecker lässt sich jedoch prinzipiell auch an einphasigen Anschlüssen anschließen, das wird meist ebenfalls mit den Ladekabeln realisiert, die den Fahrzeugen beiliegen. Vorteil des dreiphasigen Stromanschlusses ist die Möglichkeit, deutlich höhere Strommengen übertragen zu können, als von einphasigen Stromanschlüssen.

In Sachen Adern besitzt der Typ-2-Anschluss insgesamt 7 Adern: Drei werden für den Außenleiter benötigt, einer für den Nullleiter, einer für den Schutzleiter und zwei für die Kommunikation zwischen Elektrofahrzeug und Ladestation.

Typ 3 – EV Plug Alliance

Das Typ-3-Stecksystem ist ebenfalls im IEC-62196-Standard als Typ 3 definiert und wird derzeit von französischen und italienischen Firmen bevorzugt, ist in Deutschland jedoch auch deutlich weniger verbreitet, als Typ 2. Europäische Autohersteller außerhalb Italiens und Frankreichs tendieren weiterhin eher zum Typ 2, daher kann man davon ausgehen, dass der Typ-3-Anschluss auch zukünftig eher ein Nischendasein fristen wird.

CHAdeMO

Das Steckersystem CHAdeMO sei an dieser Stelle nur am Rande erwähnt, weil es sich hier um einen Standard handelt, der vor allem in Japan verbreitet ist und nicht kompatibel zu Typ-1- oder Typ-2-Anschlüssen ist. Es handelt sich hierbei um ein Gleichspannungssystem, das für die Übertragung von sehr großen Strommengen mit bis zu 62,5 kW vorbereitet ist und damit vor allem das Schnellladen ermöglichen soll. Außerhalb Japans gibt es jedoch nur sehr wenige verfügbare öffentliche Anschlüsse, da innerhalb des CHAdeMO-Konsortiums nur japanische Unternehmen arbeiten und bei nicht-japanischen Automodellen meist nur die Modelle über einen CHAdeMO-Anschluss verfügen, die auf dem japanischen Markt mit nennenswerten Zahlen vermarktet werden sollen.

Verbreitung der Steckersysteme

Grundsätzlich lässt sich sagen, dass die Typ-2-Stecker aktuell vornehmlich bei europäischen Fahrzeugen zu finden sind, Typ-1-Stecker wiederum vor allem bei japanischen und amerikanischen Fahrzeugen, allerdings inzwischen mit Ausnahmen, beispielsweise dem Tesla Model S, der mit einem Typ-2-Anschluss versehen ist.

Alle großen Autohersteller haben inzwischen angekündigt, zumindest für den europäischen Raum zukünftig Typ-2-Stecker einzusetzen, da sich diese prinzipiell auch mit einphasigen Stromanschlüssen nutzen lassen, bei Drehstromanschlüssen aber deutlich schneller geladen werden können. Dies wird mittelfristig dazu führen, dass Typ-2-Stecker an Elektrofahrzeugen durchweg Standard werden dürften.

Besitzer von Fahrzeugen mit Typ-1-Anschlüssen müssen jedoch keine Sorge haben, irgendwann ohne Strom dazustehen. Da ihre Fahrzeuge von Hause aus nur mit einphasigen Stromanschlüssen geladen werden können, brauchen sie zum Laden letztendlich eine haushaltsübliche Stromsteckdose. Viele Ladestationen – auch öffentliche – bieten neben Typ-2-Ladekabeln meist auch eine normale Haushaltssteckdose, die sich dann mit einem bordeigenen Ladekabel genauso praktisch nutzen lässt, wie ein in der Ladestation installiertes Typ-2-Steckersystem.

Da alle großen Ladesteckersysteme in einer Norm definiert sind und in dieser Norm vor allem der Typ-2-Stecker der vielseitigste ist, sowohl an Dreh- als auch an einphasigen Stromanschlüssen betrieben werden kann, wird der Typ-2-Anschluss wohl mittelfristig das Rennen machen. Dies lässt sich durch seine jetzt schon starke Verbreitung ableiten und auch durch den Einsatz bei so Unternehmen wie Tesla.

Ein Gedanke zu “Steckertypen bei Elektroautos

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