Sind Elektroautos gefährlicher als herkömmliche Autos?

Die aktuellen Unglücke mit Tesla Model S Fahrzeugen, deren Batterien durch offensichtlich äußere Einflüsse in Brand gerieten, werfen die generelle Frage auf, ob Elektroautos potentiell gefährlicher sein könnten, als herkömmliche Fahrzeuge. Einige Gegenargumente.

Die Batterie als Gefahrenquelle?

Um die Frage halbwegs sinnvoll zu beantworten, muss man sich vor Augen halten, dass für Mobilität an sich eine Menge Energie notwendig ist. So viel, dass für das Betreiben eines Fahrzeuges ein sehr dichter Energiespeicher gebraucht wird, so wie es zum Beispiel eine Batterie ermöglicht, aber auch Benzin oder Wasserstoff. Grundsätzlich sind alle Materialien zum Speichern von sehr großen Energiemengen in irgendeiner Form bedenklich, wenn diese Energie nicht auf geregeltem Wege in kinetische Energie umgewandelt wird. Es heißt nicht umsonst „Kraftstoff“.

Die Frage ist also nicht, welche Art des Kraftstoffes gefährlich ist, sondern eher, wie man den Treibstoff so in den Griff bekommt, dass er im normalen Betrieb und auch im Falle eines Unfalles kontrollierbar bleibt. Dazu gehört zunächst einmal, das Reaktionspotential des jeweiligen Kraftstoffes auf verschiedene Weisen zu bewerten und dafür Sorge zu tragen, dass die Kraftstoffe möglichst erst gar nicht in Zustände kommen, in denen sie unkontrolliert reagieren könnten. Flüssige und gasförmige Kraftstoffe werden in dichten Tanks transportiert, Batterien in Stahlcontainern und so weiter.

Die Eigenkontrolle ist eine Sache, der Schutz vor äußeren Einflüssen eine andere. Prinzipiell bekommt man jedes Fahrzeug kaputt, die Frage ist daher vor allem die, mit welcher Wahrscheinlichkeit ein Treibstofftank oder ein Treibstoff führendes Element dabei so beschädigt wird, dass der Treibstoff in eine unkontrollierte Reaktion gerät.

Im Falle von Lithium-Ionen-Akkus sind diese hermetisch von der Außenwelt abgeschirmt, was sie auch sein müssen, da zum Beispiel einlaufendes Wasser eine starke Wärmeentwicklung auslöst und Lithium (und viele seiner Verbindungen) potentiell sehr reaktionsfreudig ist/sind.

Aus Gewichtsgründen sind Elektrofahrzeuge weniger sicher für Insassen

Das ist bei modernen Elektrofahrzeugen sicherlich nicht so, denn auch für Elektroautos gelten die gleichen Sicherheitsbestimmungen und -erwartungen, wie für herkömmliche Fahrzeuge, sicherlich auch abhängig von der Höchstgeschwindigkeit des Fahrzeuges. Generell werden aber auch Elektrofahrzeuge genauso getestet, wie normale Autos und auch den normalen Testprozeduren unterworfen.

Für alle Elektroautos gilt die Maßgabe, dass Effizienz auch mit einem verringerten Fahrzeuggewicht einhergeht. Deshalb werden bei vielen Elektroautos neuartige Materialien für tragende Strukturen verwendet, aber auch diese Werkstoffe werden unter Sicherheitsaspekten gebaut und verarbeitet und sind keinesfalls automatisch weniger sicher.

Elektroautos sind gefährlicher für Fußgänger

Elektroautos haben (noch) den angenehmen Nebeneffekt, dass sie praktisch lautlos fahren können. Dieser angenehme Nebeneffekt kann aber auch durchaus problematisch sein, denn durch den Wegfall des Automotors könnten die Unfallzahlen mit Fußgängern, die ein ankommendes Elektroauto schlicht nicht hören können, steigen.

Das mag teilweise stimmen, nämlich immer dann, wenn es ansonsten besonders ruhig ist, also zum Beispiel in verkehrsberuhigten Bereichen oder auf leeren Straßen. Allerdings ist die Argumentation, Fußgänger würden durch Motorgeräusche daran gehindert, auf die Straßen zu rennen, relativ krude, denn Fahrradfahrer sind in der Regel, wenn sie nicht vor sich warnen, ebenfalls nicht hörbar. Zudem ist jedem Fußgänger (normalerweise) klar, dass eine Straße das Risiko, dass dort ein Auto fährt, von Hause aus mitbringt.

Für den Autofahrer ist die Frage, ob ein Fußgänger die Straße betreten wird oder nicht, sowieso einseitig und sehr deutlich geklärt: Fährt er einen Fußgänger an, hat er in den meisten Fällen mindestens eine Mitschuld zu tragen, selbst dann, wenn ein Fußgänger durch vollständig eigenes Verschulden vor ein Auto läuft. Die Umsichtspflicht eines jeden Autofahrer gebietet es, auf Fußgänger und generell auf schwächere Verkehrsteilnehmer besondere Rücksicht zu nehmen.

Technisch reagieren Hersteller von Elektroautos mit einer „Fußgängerhupe“, dem so genannten Friendly Horn. Dieses leisere Hupsignal ist dazu gedacht, Fußgänger, Radfahrer (aber auch Tiere) zu warnen.

Fahrer von Elektroautos können schwerer Geschwindigkeiten einschätzen

Das ist tatsächlich ein Problem, zumindest bei unerfahrenen Fahrern von Elektroautos. Da ein Elektroauto keine Motorengeräusche produziert und zudem keine Getriebeschaltungen hat, ist das Einschätzen der ungefähren Geschwindigkeit anhand dem eingelegten Gang und des Motorengeräusches unmöglich. Zwar sind solche Einschätzungen auch bei herkömmlichen Autos immer mit einer gewissen Vorsicht zu sehen, allerdings richten sich regelmäßige Fahrer eines Autos an diese Schaltmuster und beurteilen Geschwindigkeit nach diesen Erfahrungswerten, gepaart mit dem Blick auf die Geschwindigkeitsanzeige.

Dazu kommt das hohe Drehmoment auch aus dem Stand heraus. Der berühmte Kavalierstart an der Ampel bereitet vielen Fahrern von Elektrofahrzeugen durchaus Spaß, hat aber den Nachteil, dass man aufgrund des Drehmomentes, des Fehlens der Motorengeräusche und der Schaltsequenzen sehr schnell die innerstädtischen Geschwindigkeitsbegrenzungen überschreitet und ein Elektrofahrzeug deutlich schneller bewegt, als ein herkömmliches Auto.

Nicht ohne Grund sind deshalb bei vielen Elektroautos die Geschwindigkeitsanzeigen in der Instrumentenansicht deutlich größer implementiert.

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