Elektromobilität im Feldtest bei DHL in Bonn

Elektromobilität ist zwar im Individualverkehr spannend genug, hat aber sein größtes Potential im Bedarfsverkehr. Der öffentliche Nahverkehr macht es in vielen Orten mit Elektrobussen schon vor, richtig interessant wird es jedoch dort, wo noch viel größere Flotten mit Bedarfsverkehr elektrifiziert werden könnten, beispielsweise bei Post- und Paketzustellern. DHL hat hierzu ein auf mehrere Jahre hinaus geplantes Pilotprojekt in Bonn am Start.

Elektromobilität bei DHL in BonnSeit Mai diesen Jahres testet die Deutsche Post AG in ihrer Logistiksparte DHL in Bonn und Umland den Einsatz von Elektrofahrzeugen. Bis 2016 möchte man dabei Schritt für Schritt die gesamte Zustellungsflotte auf Elektrofahrzeuge umstellen. In Zahlen summiert sind das bis Ende diesen Jahres 79 Elektrofahrzeuge, die dann bis 2016 zu insgesamt 141 Elektrofahrzeugen anwachsen sollen.

Die nebenstehende Infografik der Deutschen Post DHL visualisiert dabei gut die wichtigsten Kernpunkte der aufzubauenden Flotte, die unter der zentralen Zielsetzung stehen, bis 2020 die CO2-Effizienz des Unternehmens um 30 % im Bezug auf den CO2-Verbrauch im Jahre 2007 zu verbessern. In dieser so genannten „GoGreen“-Zielsetzung sind sicherlich einige Projekte schon umgesetzt und nicht alles wird von einer Umstellung eines größeren Teiles der Flotte auf Elektromobilität abhängen, aber dennoch ist der vom Bundesumweltministerium geförderte Testbetrieb der erste Schritt.

Für DHL spielt beim Testing der Elektromobilflotte sicherlich nicht nur der Imagegewinn eine Rolle, sondern auch eine mögliche Kostenersparnis. Als Unternehmen lassen sich Anschaffungskosten eines Elektrofahrzeuges über ein Fahrzeugleasing direkt als voll absetzbare Ausgaben ansetzen, dazu werden mit Sicherheit deutlich geringere Kosten für Energie und Wartung kommen.

DHL setzt in der Zustellung durch Elektromobile auf derzeit vier Fahrzeugmodelle:

  • Renault Kangoo Z.E.
  • Iveco Daily Electric
  • Daimler Vito E-Cell
  • StreetScooter Work

Am interessantesten ist hier sicherlich der StreetScooter der StreetScooter GmbH aus Aachen. Dieses Elektrofahrzeug basiert auf der hauseigenen StreetScooter-Plattform, die in Zusammenarbeit mit dem Auftragnehmer anforderungsspezifisch geplant und gebaut wird. So ist in der Post-Version des StreetScooter, die von DHL, StreetScooter und Instituten der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen entwickelt wurde, als Ladefläche ein Koffermodul aufgesetzt, wie es schon bei den „großen Brüdern“ in der Paketzustellung üblich ist. Nach einer zweijährigen Entwicklungsphase reiht sich dieser Exot mit dem Postsignet als Fahrzeugwappen nun in die Flotte ein und deckt mit seiner Reichweite von 80 Kilometern und seiner kompakten Bauform immer mehr den wachsenden Anteil der Verbundzustellung ab, also der gleichzeitigen Auslieferung von Briefen und Paketen mit einer Fahrt, ab. Laut DHL sind von den ersten 50 Fahrzeugauslieferungen in Vorserie übrigens nur 20 Fahrzeuge im Bonner Pilotprojekt gebunden – die weiteren 30 Fahrzeuge werden bundesweit eingesetzt.

Die technischen Daten des in Deutschland gebauten StreetScooters lesen sich dabei gar nicht so übel: Die Motorleistung beträgt in Dauerleistung 30 Kilowatt (41 PS) und in der Spitze 45 Kilowatt (61 PS), und das Fahrzeug wird mit einem Drehmoment von 130 Newtonmetern auf maximal 85 km/h beschleunigt. Die Reichweite beträgt 80 Kilometer, das ist in der StreetScooter-Reichweitenpalette die mittlere Batterieausstattung. Mit einem Leergewicht von 1,25 Tonnen kann der eBolide insgesamt 650 Kilogramm Nutzlast laden.

Die weiteren Modelle variieren vor allem in der Reichweite, der Höchstgeschwindigkeit und der Zuladung. Hier in Kurzform deren technische Parameter:

  • Der Renault Kangoo Z.E.: Dauerhafte Motorleistung von 44 kW (60 PS), Höchstgeschwindigkeit von 130 km/h, Reichweite von 170 Kilometern und eine Zuladung von 595 kg.
  • Der Iveco Electric Daily 3,5t: Dauerhafte Motorleistung von 60 kW (82 PS), Höchstgeschwindigkeit von 70 km/h, Reichweite von 90 Kilometern und eine Zuladung von 770 kg. (Zusätzlich gibt es noch eine 5-Tonnen-Ausführung: Dauerhafte Motorleistung von 80 kW (109 PS), Höchstgeschwindigkeit von 70 km/h, Reichweite von 100 Kilometern und eine Zuladung von 1,7 Tonnen.)
  • Der Mercedes-Benz Vito E-Cell: Dauerhafte Motorleistung von 70 kW (95 PS), Höchstgeschwindigkeit von 80 km/h, Reichweite von 130 Kilometern und eine Zuladung von 755 kg.

Auch erwähnenswert am Rande ist der Iveco Electric Daily, der der elektrische „Bruder“ des Iveco Daily ist, einem sehr häufig eingesetzten Lieferfahrzeug von DHL. Die 5-Tonnen-Ausführung mit einem zulässigen Gesamtgewicht von eben 5 Tonnen kann dabei schlappe 1,7 Tonnen Nutzlast laden und bewegt sich in der Transportklasse seiner Brüder mit Verbrennungsmotoren.

Interessanterweise wird bei der Batterie des Iveco Electric Daily auf die Technik der ZEBRA-Hochtemperaturbatterien auf Basis von Natrium-Nickelchlorid-Zellen gesetzt, die bei einer relativ hohen Betriebstemperatur allerdings auch genau die Leistungen speichern und liefern kann, die für so eine Fahrzeugklasse notwendig sind.

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