Der ökologische Fußabdruck von elektrischem Strom

In Sachen Strom ist es ja eigentlich sehr einfach: Man steckt den Stecker in die Steckdose und der Strom fließt (wenn die letzte Rechnung bezahlt wurde). Woher der Strom kommt und auf welche Art er produziert wurde, sieht man dem Strom, der dann die Batterie lädt, nicht an. Dabei fängt gerade in Sachen Elektromobilität der ökologische Faktor genau dann erst an.

Das Zauberwort nennt sich in der Umgangssprache Strommix (eigentlich ist es offiziell die Stromkennzeichnung). In Deutschland haben wir schon seit vielen Jahren einen Mix an verschiedenen Energieerzeugungsmethoden. Traditionell den größten Anteil hat hier im so genannten Deutschlandmix der Strom, der in Kohlekraftwerken produziert wird, gefolgt von der Kernenergie und der Energie, die in Gaskraftwerken erzeugt wird. Danach folgen dann die so genannten erneuerbaren Energien auf Basis von Windkraftanlagen, Solaranlagen, Wasserkraftwerke.

Will man nun den ökologischen Fußabdruck eines Elektroautos bewerten, stößt man zunächst auf ein Dilemma: Ein Elektroantrieb hat zwar im laufenden Betrieb keine echten Emissionen, aber in irgendeiner Form muss die elektrische Energie ja zugeführt werden. Das funktioniert bei einem Brennstoffzellenantrieb zum Beispiel über den mitgeführten Wasserstoff, bei einem batteriebetriebenen Elektroauto über den Strom, der in der Batterie zur Verfügung steht. Bei letzterem wird der Strom an anderer Stelle erzeugt und genau die dort entstandenen Emissionen müssen zur Bewertung des ökologischen Fußabdrucks des Elektroautos hinzugezogen werden. Die notwendigen Informationen hierzu liefert der Stromanbieter, in dem er seine Stromtarife zusätzlich danach aufschlüsselt, aus welchen Quellen die Energie für den Tarif stammt. Diese dargestellten Mixe sind für den Energieversorger die Basis dafür, aus welchen Quellen der Strom, den er verkauft, zu stammen hat.

Bei der Auswahl eines Tarifes sollten also Besitzer von Elektrofahrzeugen deutlich auf Nachhaltigkeit achten. Strom aus Kernenergie ist ganz klar abzuwählen, aus fossilen Energieträgern zumindest deutlich abzuwerten. Erneuerbare Energiequellen sind daher deutlich vorzuziehen. Zusätzlich gibt es noch bei vielen Energieerzeugern ökologische Stromtarife, bei denen sich der Erzeuger verpflichtet, den Strom nicht einfach nur hinzuzukaufen, sondern auch tatsächlich selbst zu produzieren oder zumindest einen Teil der Einnahmen direkt in den Bau von weiteren Kraftwerken zu investieren.

Solche Commitments machen sich durchaus im Strompreis eines solchen Tarifes bemerkbar. Allerdings muss ein Besitzer eines Elektroautos die Realität ganzheitlich sehen: Im Vergleich zu einem herkömmlichen Auto mit Verbrennungsmotor ist selbst ein teurerer und ökologischer Stromtarif immer noch deutlich günstiger. Wenn man bei einem Mittelklassefahrzeug von einem innerstädtischen Benzinvebrauch von 9 Litern pro 100 gefahrenen Kilometern ausgeht, sind das bei einem Benzinpreis von 1,50 Euro angenommene 13,50 Euro. Nimmt man den Opel Ampera zum Vergleich, so fährt dieser 100 Kilometer in der Stadt mit rund 15 Kilowatt, die selbst bei einem sehr teuren Stromtarif von 35 Cent pro Kilowattstunde nur 5,25 Euro kosten. Um die Dimensionen dieses Beispiels noch begreifbarer zu machen: Der Benzinpreis müsste auf einen hypothetischen Literpreis von 58 Cent fallen, um bei 35 Cent pro Kilowattstunde mithalten zu können.

Ein Gedanke zu “Der ökologische Fußabdruck von elektrischem Strom

  1. Manche beziehen gerne noch die Aufwände für die Herstellung der Batterie mit in die Rechnung ein. Das ist zwar korrekt, wenn man den vollständigen Fußabdruck messen will, aber unfair, wenn man es zum Vergleich mit dem Verbrennerauto heranzieht. Denn dort berechnet ja auch niemand wie aufwändig es ist, das Rohöl einmal um die halbe Welt zu schippern…

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