Wie man lieb nach Strom fragt

Während das herkömmliche Tanken an der Tankstelle ein inzwischen weitgehend perfektioniert anonymisierter Vorgang ist, haben es Besitzer von Elektrofahrzeugen hier mit einem deutlich größeren Problem zu tun, der ironischerweise an die Anfangszeiten des Verbrennungsmotors erinnern lässt. Eine Stromsteckdose hat zwar praktisch jeder zu Hause, allerdings gibt es kaum welche in der Öffentlichkeit. Einige gesammelte Tipps, wie man freundlich nach Strom fragt. 🙂

Spätestens dann, wenn im Cockpit die ersten Meldungen darauf hinweisen, dass der Batteriestrom langsam aber sicher in den grenzwertigen Bereich kommt und er zum ersten Mal nicht in der Nähe des heimischen Steckdose ist, stellt sich dem Fahrer eines Elektrofahrzeuges die Frage, wie er nun eigentlich zu Strom für den eBoliden kommt. Zwar gibt es inzwischen öffentliche Stromzapfsäulen in vielen Städten, aber bei weitem noch nicht flächendeckend und natürlich immer dort nicht, wo man es gerade wirklich ganz dringend brauchen könnte.

So in etwa muss sich auch Bertha Benz gefühlt haben, als sie ihre erste größere Ausfahrt von Mannheim nach Pforzheim anno 1888 machte und unterwegs Treibstoff für den Benz Patent-Motorwagen Nummer 3 benötigte. Die erste Tankstelle der Welt wurde dadurch die Stadt-Apotheke in Wiesloch und schon die erforderliche Menge von mehreren Litern Leichtbenzin zeigte schon vor über 125 Jahren, dass rollende Gefährte ganz andere Mengen von Energie benötigen, als bisher gedacht.

Aber zurück zum Elektromobil: Da stehen wir nun mit unserem Elektroauto in unbekannten Gefilden und die Batterie ist leer. Nehmen wir einmal an, dass unser Elektroauto keinen Reichweitenverlängerer hat und auch kein Hybrid ist, so dass es ohne Strom nun erst einmal nicht mehr sehr lange weitergehen wird. Was tun?

Was überhaupt nicht geht, ist das Benutzen einer Steckdose, die uns nicht gehört. Jede Steckdose gehört irgendjemandem und dieser Jemand zahlt auch den Strom, der über diese Steckdose fließt. Während wir bei einem aufzuladenden Handy von einem einstelligen Centbetrag sprechen, sind wir bei einem Elektroauto schon mit messbaren Größen dabei. Lädt ein Elektrofahrzeug mit 2 Kilowatt pro Stunde, sind das bei üblichen Verträgen von rund 30 Cent pro Kilowattstunde demnach 60 Cent. Das ist zwar auch nur in der Region eines frischen Brötchens, aber das Prinzip macht die Regel.

Dabei kostet Fragen kaum mehr als ein Lächeln. Wenn Sie eh planen, eine kleine Rast zu machen, dann fragen Sie doch einfach mal den Wirt, ob nicht nur Sie Ihren Hunger und Durst stillen dürfen, sondern auch Ihr Auto an einer Steckdose der Gaststätte. Das kurze Vorrechnen, dass dies eben weniger als ein Euro kostet und Sie diesen Betrag auch gern in die Kaffeekasse investieren würden, öffnet die meisten Steckdosendeckel wie von Zauberhand. Freilich gibt es dabei gelegentlich die Nebenwirkung, dass der Wirt oder auch die komplette Belegschaft beim wahrlich unspektakulären Einstecken des Ladekabels unbedingt zuschauen wollen und mitunter auch die knallharte Forderung gestellt wird, dass der Wirt gern mal eine Runde um den Block mitfahren möchte. An den Zweitberuf des Elektromobilitätsbotschafters gewöhnen Sie sich aber sowieso sehr schnell und die richtig arrivierten Profis der Szene haben auch gleich die passenden Prospekte ihres Autohändlers im Handschuhfach.

In Hotels ist man für gewöhnlich gern hilfsbereit, wenn neben dem Hotelgast auch das Auto Hoteldienstleistungen in Anspruch nehmen will und freut sich, wenn die Ankunft eines Elektrofahrzeuges schon vorher angekündigt wird. Fairerweise sollte man als Hotelgast dann auch einen kostenpflichtigen Hotelparkplatz buchen. Und siehe da, viele Hotelbetreiber denken dann auch gern mit und stellen mitunter auch ein eventuell nötiges Verlängerungskabel oder eine Kabeltrommel bereit.

Für den Fall, dass man es einmal mit etwas kleingeistigeren Zeitgenossen zu tun haben sollte, empfiehlt sich die Anschaffung eines Strommessgerätes, das sich dann problemlos zwischen Steckdose und Ladekabel einstecken lässt und brav mitzählt, was in die Batterie fließt. Beachten sollten Sie bei der Anschaffung jedoch, dass es auch mit den maximal möglichen Wattzahl klarkommt, die Ihr Elektroauto aus einer normalen Steckdose im Idealfall ziehen kann, denn sonst ist der Flaschenhals ausgerechnet das Strommessgerät.

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